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Stillbericht von Petra mit Sebastian Pascal nach einem Jahr

 

Sebastian Pascal ist am 07.07.2004 geboren.

Das Stillen hat nicht gleich nach der Geburt geklappt, so dass ich mir von meinem Vater schon nach einem Tag anhören musste, er müsste mehr trinken. Die Schwestern gaben Sebastian Pascal Glucose, weil er das angeblich brauchte. Ich habe im Krankenhaus auch mit Stillhütchen gestillt, was auch nicht so gut ging. Ich saß dann da und hab versucht, abzupumpen.

Drei Tage später wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen. Die Hebamme kam erst am nächsten Tag, so war ich auf mich allein gestellt – mein Mann konnte mir ja nicht viel helfen. Da es ein Samstag war, sind wir losgegangen und haben von Nuk eine elektrische Pumpe gekauft. Die war aber nicht so toll, mir haben die Brustwarzen davon so weh getan, und ich habe den ganzen Tag nur geweint, weil ich geglaubt hab, ich schaffe das nie.

Meine Hebamme hatte aber gemeint, dass ich nur alle zwei Stunden Stillen darf. Das habe ich auch am Anfang durchzuhalten versucht. In der Zwischenzeit habe ich den Schnuller gegeben, das hat sie uns auch eingeredet. Er dürfe auch nur fünfmal, höchstens sechsmal am Tag trinken.

Sebastian Pascal hat am nächsten Tag auch nicht besser getrunken. Als die Hebamme kam, meinte sie, warum ich sie nicht angerufen hätte. Ich dachte ich stehe im Wald - was soll das? Sie wäre auch nicht eher gekommen. Das erste was sie gemacht hat, war erst mal rumzumotzen, wie wir so große Stillhütchen verwenden können (es waren die von Avent, hatte mein Mann besorgt - Größe S). Die wären ja viel zu groß. Na und dann sagte sie, ich gebe dir jetzt welche. Dann sie hat darauf eine Zuckerlösung gemacht, weil Sebastian Pascal nicht an meine Brust ging und damit meine Warzen eingeschmiert, so dass er endlich daran zieht. Und er hat wirklich getrunken, aber es war ganz schön stressig mit dem Zwei-Stunden-Rhythmus. Und er soll erst eine Minute schreien, bis ich dann kommen und ihn Stillen darf.

Ich habe Sebastian Pascal drei Wochen lang mit Stillhütchen gestillt. Nach zweieinhalb Wochen wollte ich ihn an der Brust haben und nicht mehr mit Stillhütchen stillen. Ich hatte in der Zwischenzeit mit meinem Mann Krach gehabt und war so aufgelöst, dass ich nur noch mehr heulen wollte. Die Hebamme kam und wir unterhielten uns. Sie meinte, ich hätte eine Wochenbettdepression. Sie fragte mich an diesen Tag, ob ich nicht abstillen wollte. Es reichen ja drei Wochen. Ich sagt nein, ich will ihn ja nur von den Stillhütchen runter haben. Mich hat nämlich das Auskochen genervt. Daraufhin hat sie den Versuch gestartet, ob er nun auch so trinken kann, was ja auch nicht gleich klappte. Ein paar Tage später habe ich noch ein Versuch gestartet und habe ihm einfach nicht mehr die Stillhütchen gegeben, da es hat geklappt, und ich hatte die Hebamme bald los.

Darauf sagte mein Mann, ich habe keine Lust mehr auf das Schreien, entweder du stillst ihn, wenn er Hunger hat oder hörst ganz auf. Ich wollte nicht aufhören, somit habe ich nach Bedarf gestillt. Ich hatte auch schon Kontakt zu einer Stillberaterin gesucht, weil ich richtig viel Milch hatte. Bei der ersten war ich nicht so glücklich bis ich zu meiner Stillberaterin kam. Ich hatte mir in der Zwischenzeit eine handbetriebene Avent-Pumpe gekauft ,weil ich mit der anderen nicht klar kam.

Leider war das nächst Unglück nicht weit entfernt. Ende Oktober hatten meine Eltern ihren Hochzeitstag und wir sind in eine Kneipe, die sehr verraucht war, zum Essen gegangen und sie haben mir untersagt, dass ich Sebastian Pascal stillen darf an unserem Tisch. Ich sollte doch auf die Toilette gehen oder mich an die Bar setzten und ihn dort stillen. Später kam noch die Aussage ich wäre doch keine Hure.
Das hat mich so mitgenommen, dass Sebastian Pascal daraufhin in den Stillstreik marschiert ist.

Ich hatte dann sofort mit meiner Stillberaterin Kontakt aufgenommen und mit ihr mich unterhalten, so dass ich mich erst mal beruhigte. Darauf fragte sie mich ob Sebastian Pascal denn ein Schnuller hat und auch die abgepumpte Milch in der Nuckelflasche bekommt. Das habe ich mit ja beantwortet. Sie meinte, ich solle das sein lassen und ihn mit dem Löffel füttern und ich solle ihn im Halbschlaf anlegen. Aber Sebastian wollte von mir die Milch nicht mit dem Löffel, so dass mein Mann ihn damit füttern musste. Das Stillen im Halbschlaf hat ganz gut geklappt. Am nächsten Montag war ihr Stilltreffen, wo ich auch hin bin, und es hat mir richtig gut getan, dass ich nicht ganz alleine war mit Stillproblemen. Sie hat mich mit zu ihr nach Hause genommen, dort war ich auch eine ganze Weile. Sie meinte dann ich sollte doch nun mal versuchen, Sebastian Pascal anzulegen. Er hat nur die Brust gesehen und hat angefangen zu schreien. Darauf habe ich wieder abgepumpt und sie hat ihn mit dem Löffel gefüttert und meinte, das sollte besser mein Mann übernehmen, was er auch gemacht hat. Nach eineinhalb Wochen sind wir unruhig geworden und sind zum Kinderarzt gegangen und haben ihn wiegen lassen. Wir hatten das Gefühl, er bekommt nicht genug. So war es auch, er hatte tatsächlich nur 40 g zugenommen. Darauf meinte der Kinderarzt wir sollen nun zufüttern mit Brei, er ist ja schon dreieinhalb Monate alt, er könne schon essen. Wir sind aus der Praxis raus und meine Antwort zu meinen Mann war, lass uns die Zeit, er wird wieder Stillen. Und so war es: am nächsten Tag hat Sebastian Pascal wieder gestillt.

Ich musste dann Anfang Dezember wieder zum Kinderarzt und er fragte mich, ob ich ihm nun Beikost gebe. Ich hatte ja schon alles getan, ich habe natürlich verneint. Er meinte, jetzt wird es aber höchste Zeit, aber Sebastian Pascal wollte nicht essen sonder nur noch Muttermilch trinken. Darauf habe ich Ende Dezember den Kinderarzt gewechselt und der neue Kinderarzt meint nur, wir sollen es langsam angehen. Er hat die U5 gemacht und meinte, er hat sich doch prächtig entwickelt, Sebastian Pascal wäre ein quietschfideler junger Mann.

Sebastian Pascal saß beim Essen dann immer bei uns am Tisch. Gläschen wollte er nicht, aber er bekam immer etwas von unserem Essen ab: Mal eine Kartoffel, eine Karotte, eine Scheibe Gurke, Nudeln und meistens knabberte er auch interessiert daran, wenn er auch mehr damit spielte, als es zu essen (tut er heute noch).

Ein paar Monate später meinte mein Vater, wir sollten Sebastian Pascal nun zum Essen zwingen, da das Stillen mich zu sehr auslaugt und es wäre ja bewiesen, dass das dem Körper Kalzium entzieht und für die Mutter schädlich ist. Und außerdem ist er ja ein Jahr alt. Er kam tatsächlich mit Brei-Gläschen und meinte wir sollen jetzt mit ihm Flugzeug spielen, damit er den Mund aufmacht. Das hat mich so mitgenommen, dass ich mal wieder eine Brustentzündung hatte, die ich aber ohne Medikament weg bekommen habe. Die Gläschen hat mein Mann weggeworfen, kaum dass mein Vater aus dem Haus war.

Ja und nun Stillen wir ein Jahr lang und es macht uns auch richtig Spaß, und mit viel Unterstützung von meinem Mann, sonst hätte ich nicht so lange durchgehalten.

So, etwas lang geworden. Danke für die Aufmerksamkeit!
Petra